Stadt Zell im Wiesental

Seitenbereiche

Wichtige Links

mit den 6 Ortsteilen

Volltextsuche

Familie Weber

Die Familie Weber im Geschichtsbild der Stadt Zell

Das Freiburger Stadtarchiv hat in dem Buch „Die Vorfahren Karl Maria von Webers“ durch akribische Nachforschungen diese für dieTalvogtei Zell turbulenten Jahre nachvollzogen und damit auch Zeller Stadtgeschichte geschrieben. Ein Hans Georg Weber, der Urgroßvater Carl Maria von Webers und Constanze Mozarts, heiratete nach dem Tod des Müllers der unteren Mühle Stetten die Witwe. Dieser Verbindung entsprossen 8 Kinder. Die Frau Verstarb nach 21 jähriger Ehe. Aus einer nachfolgenden Ehe mir Maria Reinlin entstammten weitere fünf Kinder. einer der Söhne dieser 13 Kinder war Fridolin Weber, der am 17. Februar 1754 geboren wurde. Er sollte ursprünglich Pfarrer werden. Als 15-jähriger begann er seine Studien an der Universität in Freiburg. Entgegen ursprünglichen Plänen studierte er jedoch Philosophie und war Kandidat der Rechte. Während des Studiums entstand der Kontakt zur Adelsfamilie von Schönau, die auch Lehnsherr von Stetten war, die dazu führte, dass Fridolin Weber um 1710 Hauslehrer und Erzieher des 7-jährigen Sohnes Franz Ignaz Ludwig von Schönau wurde.
Weber musste sein Studium abbrechen, da der Knabe sehr kränklich war und die Ausbildung sich lange hin zog. Dafür hatte er sich die Gunst der Familie von Schönau erworben; vor allem auch deshalb, weil sein Schüler endlich körperlich und geistig auf die Beine kam.

Der alte Franz Ignaz Anton Josef starb 1712 eines plötzlichen Todes und hinterließ eine finanziell bedrängliche Familie, für die Fridolin Weber mit bestem Willen sorgte. Für seine treuen Dienste und sicherlich auch durch die Fürsprache der Baronin erhielt er 1721 die Amtmannsstelle in Zell.

Anlässlich der Verheiratung mit der Perückenmacherstochter Eva Maria Schlar aus Freiburg, war Weber gehalten, seine Stellung als Amtmann wirtschaftlich und zeitlich abzusichern. Er pachtete von seinem Herrn auf dessen Geheiß die Lehensgefälle um 800 Gulden rauher Währung jährlich. Es gelang ihm, trotz Kriegszeit, einiges Vermögen zu erwerben. Der polnische Erfolgskrieg hatte für Zell allerhand Besetzung und Kontributionen zur Folge. Die Franzosen verlangten eines Tages eine große Holzlieferung und 250 Gulden Kontribution, was die Zeller nicht liefern und zahlen wollten. Daraufhin erschien 1735 ein französisches Kommando, dies nahm den Amtmann und den Vogt Franz Berger als Geiseln.
Beide wurden 35 Tage bis zur Erfüllung der Kontributionen in Hüningen inhaftiert.

Der Baron bemerkte mit Neid und Misstrauen den wachsenden Wohlstand seines Amtmannes. Er versuchte die Pacht des Lehensgefälles rückgängig zu machen, indem er Weber vorrechnete, er habe zu eigenen Gunsten gewirtschaftet und einzelne Gefälle nicht abgeführt. Nachdem die alte Baronin, die immer schützend die Hand über Weber gelegt hatte, verstorben war, kam er im Frühjahr 1737 zum Bruch. Es folgte ein Streit, der seinen Höhepunkt darin fand, dass der Baron am 25. Februar 1738 den Amtmann seiner Dienste enthob und am folgenden Tag Abrechnung im Hausener Bergwerk verlangte. Weber klagte gegen seinen Herrn. Der Prozess zog sich über Jahre hinweg.
Der Prozess endete mit einem Vergleich. Der abgesetzte Amtmann sollte eine Abfindung von 2000 Gulden erhalten, die nie bezahlt wurden.

Weber zog nach Freiburg und erwarb dort das Bürgerrecht. Er starb am 25. Februar 1754. Die Beziehung seines Sohnes Fridolin Weber II zum Hause Schönau, sollte sich noch weitaus spannungsgeladen und dramatisch entwickeln. Er wurde in Zell 1733 geboren und war der Onkel Carl Maria von Webers und der Schwiegervater Mozarts.  Nach den Auseinandersetzungen und den Vergleich mit Fridolin Weber I war Frank Ignaz Ludwig von Schönau zum Schuldner seines eigenen Amtmannes geworden und hatte demnach allen Grund sich der Familie Weber erkenntlich zu zeigen, was er auch tat indem er Fridolin Weber II 1754 als schönauischen Amtmann in der Herrschaft Zell einsetzte. Im Mai jenes Jahres wurde er vor versammelter Zeller Bevölkerung vereidigt. Jeder Untertan musste das Handgelübde abgeben.

1775 hegte Weber Heiratspläne und der Freiherr versprach ihm in diesem Zusammenhang das Amt auf Lebenszeit, da er mit der bisherigen Amtsführung zufrieden war. So heiratete der junge Weber  am 14. September 1756 die aus Mannheim stammende Cäcilia Stamm.  Es war ein seltsames Dienstverhältnis, dass Fridolin mit seinem Herrn hatte. Schuldete dieser doch dem Vater Weber und damit seinen Erben und nunmehrigen Amtmann inklusive Zinsen 4700 Gulden, für die er Schuldverschreibungen auf seine Freiburger Besitztümer ausgestellt hatte.

Der Baron hatte 10 Kinder und war hoch verschuldet. Im September 1756 ließ er sich von dem Zeller Amtmann 239 Gulden und 48 Kreuzer rheinisch geben, mit der Maßnahme das Geld nicht in Rechnung zu stellen sondern es über die Zeller Gefälle wieder rein zu holen, damit die Baronin nichts erführe. Bald darauf erhielt er wider 50 Gulden mit dem Versprechen das Geld bald zurück zu zahlen und dem Hinweis, wie man es verblümeln soll. Es ging nicht lange und der Baron stand mit 1000 Gulden in der Kreide. Rückzahlungen erhielt Weber keine. Was blieb ihm anderes übrig als das zu tun was sein Herr ihm befohlen hatte, nämlich die Buchhaltung so zu „verblümeln“, dass er sich an den in Zell eingegangenen Gefällen schadlos halten konnte. Das passte dem Freiherrn wieder nicht. er schröpfte seinen Amtmann hinsichtlich zustehender Taxen, Reisespesen und vieler anderer Dinge so eingehend, dass Weber langsam in Not geriet. Er musste mit seiner Familie von Schreibtaxen und anderen Kleinigkeiten leben. Weber beging den verhängnisvollen Fehler es an einer geordneten Buchführung fehlen zu lassen. Es kam so weit, dass entgegen bestehender Vorschriften der Sekretär des Barons, Brenzinger, der Weibel, der Talvogtei Meinrad Montfort oder der Geschworene Johann Durst ohne Wissen des Amtmannes Gelder einzogen und an den Freiherrn weiterleiteten.

Der Baron gab sein Geld weiterhin mit vollen Händen aus. Am 1. April 1758 verstarb seine Frau die, Baronin von Schönau geb. Maria Anna Franziska von Pfirth. Ihr ererbtes Vermögen war durch die Machenschaften des Barons verbraucht. Er verheiratete sich gegen den Willen seiner Kinder, deren Erbe er sogar verpfändete, in zweiter Ehe mit der Gräfin von Walcourt und Rochefort. Durch einen Einbruch in sein Freiburger Palais verlor er 4000 Gulden an Wäsche, Schmuck und sonstige Wertsachen.

In Zell gab es durch die geschwächte Position des Amtmannes weitere Wirrungen. Der Jagdpächter Sebastian Asal, hatte verschiedene Forst- und Waldfrevel beim Amtmann angezeigt. Dieser Frevel konnten ihm nur recht sein, weil die Strafgelder ihm zufielen. Die bestraften Frevler beschwerten sich bei Vogt Montfort, der Weber nicht leiden konnte. Er drängte auf die Absetzung des Jagdpächters, Weber lehnte dies ab, worauf Montfort mit Zustimmung der ganzen Gemeinde insgeheim und mit Unterstützung des Barons die Jagd selbst pachtete. Der Jagdpächter Asal nannte darauf hin den Vogt einen Schelm, Montfort erhob klage gegen Asal und verlangte seine Ausweisung. Weber ging darauf nicht ein, so war der Streit zwischen Weber und Montfort auch vom Zaun gebrochen. Es endete damit, dass ein neutraler Agent zu Gericht saß. Das Urteil: Asal solle dem Vogt öffentlich Widerruf leisten und bis dahin in das Häusle gesperrt werden. Asal, dessen Zeuge nicht gehört wurde, sperrte sich gegen den Widerruf. Als er eingesperrt wurde erhob sich in Zell ein Aufstand gegen die Obrigkeit.

So wurde mit der Zeit aus dem persönlichen Händeln zwischen Montfort und Asal eine Angelegenheit der Herrschaft. Aus einem Prozess wurden deren zwei, die dem Baron allem nach Recht unangenehm waren. Anlass genug für den Freiherrn, den Amtmann Weber büßen zu lassen, der ihm als Mitwisser peinlicher Dinge und bestehender Intrigen seit langem missliebig war. Er enthob Weber kurzerhand  mit einem Schreiben vom 30 Juli 1763 seines Amtes mit der Begründung: „ Er habe seine Herrschaft hintergangen, betrogen, sowie pflichtvergessen und treulos gehandelt Innerhalb von sechs Wochen habe er die Herrschaft zu verlassen, widrigenfalls er Gefahr laufe, dass seine saubere Aufführung der ganzen Welt offenbart würde.“ Weber, so der Freiherr, „würde daher gut tun, die Sache in der Stille bewenden zu lassen und gegebenenortes zu sagen, dass er sein Amt freiwillig niedergelegt habe.“, der Baron, „keine Mühen spare ihm zu einer neuen Stellung zu verhelfen.“ Die damit geheuchelte Gnade verhüllte nur mangelhaft das schlechte Gewissen und die schlimmen Absichten des Barons und seinen Anhängern.

Vogt und Herrschaft schlossen sich zusammen um Weber endgültig los zu werden. Es wurden zweifelhafte Zeugen nach Freiburg geladen und die Bauern wurden von dem späteren Amtmann Brenzinger mit Versprechen des Nachlasses der fälligen Strafgelder aufgefordert sich gegen Weber zu wenden. Die Bauern taten dies. Er versuchte sich mit seinem Herrn außergerichtlich zu einigen auch, weil seine Frau schwanger war und kurz vor der Entbindung stand. Es fand ein Gespräch unter vier Augen statt, das Fruchtlos verlief. Am 01.August 1763 ließ der Baron seinen bisher herrschaftlichen Sekretär Konrad Brenzinger als Amtmann verkünden. Weber erwirkte bei der Primistanz, einer österreichischen Gerichtseinrichtung in Freiburg, dass er in der Amtswohnung verbleiben durfte.

In dieser Schweren Zeit fielen die ersten 1 / 2 Lebensjahre der am 05. Januar 1762 geborenen Tochter Constanze, der späteren Gattin Wolfgang Amadeus Mozarts. Entgegen bisher bestehender Unsicherheiten hinsichtlich ihres Geburtsortes- es wurde immer wieder Freiburg genannt- konnte Ehrenbürger und Heimatdichter Gerhard Jung die Geburtsurkunde Constanzes in Dänemark, wo sie in zweier Ehe mit dem Baron von Nissen lebte, ausfindig machen. Sie belegt eindeutig Zell im Wiesental als Geburtsort. Schon Friedrich Hefele stellte in seinen Ausführungen von 1925 fest: „ Weber hat erst nach der Entlassung in Zell den Wohnsitz nach Freiburg verlegt. Aus diesem Grund kann Freiburg nicht mehr als der Geburtsort der Gattin Mozarts und des Vaters von Carl Maria von Weber angesprochen werden, dieser Ehre gebührt zweifellos dem Städtchen Zell im Wiesental.“

Im Dezember wurde der Baron sehr massiv und forderte Weber ein letztes mal auf, Zell innerhalb von 14 Tagen zu verlassen. Gegenteiligenfalls müssten Mittel ergriffen werden, die ihm mehr zur Schande als zur Ehre gereichten. Weber fürchtete Gewalttätigkeiten, nachdem er hörte, dass schon Leute bestellt seien um seine Möbel auf die Straße zu werfen. Er wandte sich an die Primistanz, die den Baron warnten eigenmächtig zu handeln. Daraufhin wurde ungebührlich gestritten. Weber verweigerte die Herausgabe der Amtsakten und die Herrschaft verweigerte die Zahlung der Gefälle, Zinsen und Nutzen. Weber war gezwungen die Dielen und alle hölzernen Gegenstände zu verbrennen, kein Mensch wollte ihm mehr ein Stück Holz verkaufen. Am 12 Dezember verließ die Familie Weber die Herrschaft Zell und begab sich nach Rheinfelden. Der Baron ließ das Amtshaus aufbrechen um selbst einige Tage zu Wohnen. Die Möbel wurden Inventarisiert und in einem Raum zusammen gestellt.

Als Weber Ende Dezember nach Zell zurück kehrte fand er alle Behältnisse aufgebrochen und mit neuen Schlössern versehen, ihm Amtshaus war der Zeller Jäger einquartiert. Obwohl es wegen der bestehenden Schulden des Barons an den Amtmann verpfändet war, nahm dieser davon Abstand seinen Besitz wahrzunehmen. Er Klagte bei der Primistanz. Der Prozess zog sich hin. Die Gelder für die rechtmäßig an Weber verpfändeten Lehensgefälle gingen nicht ein, seine Familie geriet dadurch in bittere Not. Die langwierige gerichtliche Auseinandersetzung wog hin und her. Der Baron verlegte sich auf das Verzögern, weil er wusste, dass die Zeit für ihn und gegen den verarmten Weber arbeitete. Es gab Verhandlungen an denen der Baron nicht erschien und deshalb mit Strafen belastet wurde. Es rächte sich jetzt, dass er auf den Baron gehört hatte und die Buchhaltung „verblümelt“ hatte. Die Fehler die in der Buchhaltung gefunden wurden, wurden Weber zur last gelegt. Vor Gericht wurde in üblem Umfang schmutzige Wäsche gewaschen.

Im Juni 1764 endete die Verhandlung mit einem seltsamen Vergleich.
Fridolin Weber und Franz Ignaz Ludwig von Schönau verzichten auf die Fortführung des Prozesses. Die Entlassung wurde zurück genommen für das tatsächliche Vorgehen im Amtshaus erfolgten Entschuldigungen. Der Baron hatte innerhalb von 14 Tagen 500 Gulden zu bezahlen. Weber verzichtete freiwillig auf das Amt und bezeichnete das jetzige Abkommen als beiderseitige freundschaftliche Aufkündigung. Die ihm noch zustehenden Taxen, Reisekosten und Vorschüsse mussten ebenfalls binnen 14 Tagen bezahlt werden.
Der Baron schrieb Weber sogar ein vorzügliches Zeugnis. Es hieß darin: Weber habe sich in der 9-jährigen Amtszeit stets getreu, pflichtgemäß und unklagbar aufgeführt, doch haben wegen „dazu gekommener einiger Anstößigkeiten ein Teil dem anderen aufgekündigt, was beiderseits gutwillig auf- und angenommen worden sei.“

Fridolin Weber zog nun mit seiner Familie nach Mannheim, wo seine von dort stammende Frau nähere Beziehungen hatte. Er wirkte dort als Bassist, Souffleur und Notenkopist. Frühere Annahmen, dass er aus Liebe zur Musik seine Amtmannstelle in Zell aufgegeben habe und deshalb in die kunstsinnige Stadt Mannheim verzogen sei, bestätigen sich nicht. In Mannheim lernte Wolfgang Amadeus Mozart die Familie Weber und ihre Tochter, die Koloratuersängerin Aloysia Weber kennen, in die er sich erfolglos verliebte. Später in Wien heiratete er am 17. April 1782 deren Schwester Constanze. Weber übersiedelte 1778 nach München und ein Jahr später nach Wien, wo er am 23. Oktober des gleichen Jahres an einem Schlaganfall verstarb.

Ferienregion SÜDWÄRTS Zeller Bergland Tourismus e.V. Naturpark Südschwarzwald KONUS Schwarzwald Tourismus GmbH

Kontakt

Stadt Zell im Wiesental
Constanze-Weber-Gasse 4
79669 Zell im Wiesental
Fon: 07625 133-0
Fax: 07625 133-820
E-Mail schreiben